Pole mit Signalwirkung: Norris beendet die Mercedes-Serie

Ferrari reist mit Rückenwind ins Rennen, Aston Martin erlebt dank Alonso den ersten Lichtblick der Saison. Nur Mercedes wirkt vor dem Grand Prix von Ungarn plötzlich ungewohnt verwundbar.

Matthias Greuling

Noch vor einer Woche schien die Formel-1-Welt fest in Mercedes-Hand. Nun hat der Hungaroring das Kräfteverhältnis zumindest ins Wanken gebracht. Nach drei Trainings und einem hochklassigen Qualifying startet Lando Norris von der Pole Position in den Großen Preis von Ungarn – und durchbricht damit erstmals in dieser Saison die bislang makellose Pole-Serie der Silberpfeile. 

Lando Norris freut sich über P1. Foto: McLaren

Dabei hatte das Wochenende zunächst Ferrari gehört. Charles Leclerc setzte im ersten Freien Training die Bestzeit, ehe ihn ein technisches Problem stoppte. Im zweiten Training folgte sogar ein Ferrari-Doppelschlag: Lewis Hamilton lag knapp vor Leclerc, der SF-26 präsentierte sich auf dem winkligen Hungaroring außergewöhnlich ausgewogen und bestätigte den starken Aufwärtstrend der vergangenen Wochen. Ferrari reist längst nicht mehr als Außenseiter, sondern als ernsthafter Siegkandidat ins Rennen. Doch nach dem Qualifying setzte es eine 3-Plätze-Strafe für Hamilton, der nun als 5. startet – er hatte Piastri auf der Strecke behindert.

McLaren konterte immerhin eindrucksvoll. Bereits im dritten Training übernahm Norris die Spitze, im Qualifying setzte der Brite schließlich den entscheidenden Akzent. Mit einer nahezu perfekten Schlussrunde sicherte er sich die Pole Position und sorgte für den ersten Nicht-Mercedes ganz vorne im Grid des Jahres 2026. Teamchef Andrea Stella sprach anschließend selbst von einer positiven Überraschung – offenbar funktionieren die jüngsten Weiterentwicklungen besser als erwartet. 

Fast noch bemerkenswerter als die Pole war jedoch das grüne Lebenszeichen aus Silverstone. Aston Martin brachte in Budapest ein umfangreiches Update-Paket an den Start – und erstmals zeigte sich dessen Wirkung auch auf der Stoppuhr. Fernando Alonso erreichte erstmals in dieser Saison den zweiten Qualifying-Abschnitt. Für den zweimaligen Weltmeister mag Q2 normalerweise keine Schlagzeile sein, für Aston Martin fühlte es sich nach den schwierigen ersten Saisonmonaten fast wie ein kleiner Befreiungsschlag an. Die großen Sprünge bleiben zwar aus, doch zumindest scheint die Richtung wieder zu stimmen. 

Kimi Antonelli posiert gern mit seinen ungarischen Fans. Foto: Mercedes

Weniger erfreulich verlief die Raceweek bislang für Mercedes. Kimi Antonelli blieb zwar in Schlagdistanz zur Spitze, doch die Dominanz der vergangenen Wochen war verschwunden. Seine Position auf Platz vier wurde nach dem Rennen gestrichen, weil Antonelli bei der gelben Flagge, die Verstappen durch einen Dreher auslöste, nicht schnell genug langsamer wurde. Die Folge: Drei Startplätze nach hinten, P7. George Russell fand auf dem engen Kurs nie den entscheidenden Rhythmus, und insgesamt wirkte der Silberpfeil auf dem Hungaroring ungewohnt nervös. Auf einer Strecke, auf der jede kleine Balanceveränderung sofort bestraft wird, scheint Mercedes erstmals seit Langem an Grenzen zu stoßen. Immerhin: Russel startet von P6.

Auch Max Verstappen konnte daraus kein Kapital schlagen. Der vierfache Weltmeister bewegte sich zwar konstant in der Spitzengruppe, fand im entscheidenden Moment aber nicht die letzte Zehntelsekunde. Red Bull wirkt stabiler als noch vor einigen Wochen, doch das Auto vermittelt seinem Starfahrer weiterhin nicht jenes Vertrauen, mit dem er über Jahre ganze Rennwochenenden dominierte.

So verspricht der Sonntag eine ungewöhnlich offene Ausgangslage. McLaren startet von ganz vorne, Ferrari scheint über die Renndistanz vielleicht sogar das stärkste Gesamtpaket zu besitzen, Aston Martin schöpft neue Hoffnung – und Mercedes muss plötzlich beweisen, dass selbst Serien nicht für die Ewigkeit gemacht sind. Genau das macht den Hungaroring in diesem Jahr so reizvoll.

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