Eigentlich hätte dieser Grand Prix in Bahrain stattfinden sollen. Dann wurde er nach Malaysia verlegt. Dort öffnete der Himmel seine Schleusen, der Start musste verschoben und schließlich sogar abgebrochen werden, Autos verloren auf der Formationsrunde wegen Softwareproblemen plötzlich Leistung, Teams verzockten sich bei der Reifenwahl, Safety Cars mischten das Feld immer wieder neu – und am Ende gewann ausgerechnet jener Mann, der in diesem Jahr noch kein einziges Rennen gewonnen hatte. Max Verstappen triumphiert in Sepang vor Kimi Antonelli und Lewis Hamilton. Es ist sein erster Sieg 2026 und der erste überhaupt für Red Bull Ford Powertrains. George Russell dagegen erlebt fünf Runden vor Schluss den nächsten brutalen Rückschlag im WM-Kampf.
Leonie Brandt
Man muss mit den Umständen beginnen, weil ohne sie dieses Rennen kaum zu erzählen ist. Der Große Preis von Bahrain in Malaysia war ohnehin ein Kuriosum: Wegen der Lage im Nahen Osten wurde der Grand Prix nach Sepang verlegt, auf jene großartige Strecke vor den Toren Kuala Lumpurs, die seit 2017 keinen Formel-1-WM-Lauf mehr erlebt hatte. Dann kam am Sonntag das Wetter hinzu. Rund eine Stunde vor dem geplanten Start ging über Sepang ein tropisches Gewitter nieder. Innerhalb kürzester Zeit stand so viel Wasser auf der Strecke, dass selbst das Medical Car bei seinen Erkundungsrunden Mühe hatte. Der für 15 Uhr Ortszeit angesetzte Start wurde verschoben, Streckenposten versuchten das stehende Wasser zu beseitigen, die Fahrer warteten, die Autos verschwanden unter Zelten. Erst um 15.40 Uhr setzte sich das Feld hinter dem Safety Car in Bewegung.

Doch selbst damit war das Chaos noch nicht vorbei. Isack Hadjar rutschte bereits auf dieser ersten Formationsrunde nach Kurve zwei ins Kiesbett. Dann meldete Pole-Mann Verstappen ein noch viel seltsameres Problem: Er trat aufs Gas, doch sein Red Bull beschleunigte nicht richtig. Kurz darauf erging es Lewis Hamilton ähnlich. Der Ferrari kam auf Start und Ziel sogar zum Stillstand. Ursache waren Softwareprobleme, die offenbar damit zusammenhingen, dass die Autos hinter dem Safety Car ungewöhnlich langsam unterwegs waren. Weitere Fahrer meldeten Schwierigkeiten. Die Rennleitung zog die Notbremse, brach die Startprozedur ab und schickte alle zurück in die Boxengasse. Rote Flagge. Die Formel 1 hatte noch keine einzige Rennrunde absolviert, und der Nachmittag wirkte bereits, als hätte er genug Stoff für einen kompletten Grand Prix geliefert.
Erst um 16.33 Uhr wurde ein zweiter Versuch unternommen. Und jetzt begann das große Pokerspiel. Die Strecke trocknete, war aber noch längst nicht trocken. Verstappen, Antonelli und Russell setzten auf Intermediates. Ferrari riskierte mit Hamilton und Charles Leclerc Soft-Reifen. Auch Gasly, Bortoleto, Hülkenberg, Bearman, Bottas, Perez und Colapinto entschieden sich für Slicks, während McLaren Norris und Piastri auf Medium losschickte. Auf dem Papier konnte man für beide Varianten argumentieren. In der Realität erwies sich zunächst nur eine als richtig. Verstappen meldete bereits auf der Formationsrunde, dass noch genügend Gischt vorhanden sei. Gasly rutschte auf seinen Slicks durchs Gras. Hamilton funkte trocken, es sei extrem rutschig. Einige Fahrer begriffen noch vor dem Start, dass sie sich verzockt hatten, und wechselten zurück auf Intermediates.
Dann gingen endlich die Lichter aus.
Und Verstappen verlor.
Erst verliert Max – dann beginnt seine Jagd
Ausgerechnet der Pole-Mann erwischte keinen guten Start. Kimi Antonelli und George Russell schossen mit ihren Mercedes an ihm vorbei und gingen als Erster und Zweiter in Kurve eins. Liam Lawson katapultierte sich sogar auf Rang drei und lieferte sich mit Verstappen ein unmittelbares Duell. Plötzlich lag jener Fahrer, der das gesamte Wochenende über so stark gewirkt hatte, nur noch auf Platz vier.
Aber genau hier begann Verstappens eigentliches Rennen.

Er geriet nicht in Hektik. Er wusste, dass die Intermediates richtig waren, während ein Teil des Feldes auf Slicks Zeit verlor. Zunächst setzte er Russell unter Druck. Der Mercedes war auf der nassen Strecke schnell, aber Verstappen näherte sich. Schließlich ging er in Kurve vier vorbei und war Zweiter. Vor ihm lag nur noch Antonelli. Hadjar räumte derweil Lawson aus dem Weg und brachte auch den zweiten Red Bull weit nach vorne. Ferrari dagegen verschwand mit seiner Slick-Wette zunächst aus dem Spitzenkampf: Hamilton und Leclerc fielen aus den Top Ten, Leclerc wechselte schließlich doch auf Intermediates.
Antonelli machte vorne zunächst alles richtig. Der WM-Leader hatte nach dem Start einige Sekunden herausgefahren und sah erneut bemerkenswert souverän aus. Doch Verstappen kam. Ende der achten Runde rutschte Antonelli in der letzten Kurve etwas weit hinaus. Verstappen war sofort da und setzte zum Angriff an.
Genau in diesem Augenblick drehte sich Valtteri Bottas auf seinen Slicks im letzten Streckenabschnitt ins Aus.
Safety Car.
Für die Intermediate-Fahrer war das der perfekte Moment. Die Strecke war inzwischen weit genug abgetrocknet, um auf Slicks zu wechseln, ohne dabei den üblichen Zeitverlust eines Boxenstopps hinnehmen zu müssen. Mercedes fertigte Antonelli unter Druck sauber ab und hielt ihn zunächst vor Verstappen. Russell blieb ebenfalls vor Hadjar. Wer dagegen von Beginn an auf Slicks gepokert hatte, hatte seinen möglichen strategischen Vorteil verloren: Das Safety Car schenkte nun auch den Konkurrenten den günstigen Wechsel.

Beim Restart begann dann jene Phase, in der Verstappen zeigte, warum dieser Sieg mehr war als ein Produkt des Chaos.
Außen herum – und weg
Verstappen klebte am Mercedes. Als die 13. Runde begann, zog er sich in Antonellis Windschatten, setzte außen in Kurve eins an und blieb dort. Kein verzweifeltes Hineinstechen, sondern ein sauber vorbereiteter Angriff. Durch Kurve zwei vollendete er das Manöver.
Verstappen führte.
Hinter ihm nutzte Russell den Zweikampf und schnappte sich Antonelli in Kurve fünf. Mercedes lag damit auf zwei und drei, doch vorne begann Verstappen sofort, Abstand aufzubauen. Das war vielleicht die wichtigste Phase des gesamten Rennens. Denn jetzt gab es kein Wetterroulette und keine glückliche Neutralisierung mehr. Alle fuhren auf vergleichbaren Reifen. Und Verstappen war schlicht schneller.
Eine schnellste Runde folgte der nächsten. In Runde 19 betrug sein Vorsprung auf Russell bereits mehr als drei Sekunden. Antonelli saß derweil seinem Teamkollegen im Heck und meldete, er habe mehr Pace. Mercedes kündigte unterschiedliche Strategien an, doch Antonelli wollte nicht warten. Zu Beginn der 21. Runde griff er an und holte sich in Kurve vier Rang zwei zurück.
Zu diesem Zeitpunkt war Verstappen bereits rund fünf Sekunden entfernt.
Antonelli versuchte nachzusetzen, leistete sich aber am Ausgang der letzten Kurve einen Fehler, kam weit hinaus und erwischte sogar den Poller an der Boxeneinfahrt. Er fragte sofort nach seinem Frontflügel. Das Auto blieb intakt, doch der Abstand nach vorne wuchs. Wenig später waren es acht Sekunden. Verstappen hatte das Rennen unter Kontrolle.
Und das ist bemerkenswert, weil Red Bull über weite Teile dieser Saison eben nicht das Auto hatte, mit dem Verstappen solche Rennen fahren konnte. In Madrid hatte er mit einem nicht ganz konkurrenzfähigen Paket Rang zwei gerettet. In Baku war er von Platz acht bis auf 0,196 Sekunden an Russell herangekommen. Nun stand er erstmals 2026 auf Pole – und sobald Sepang nach dem anfänglichen Irrsinn zu einem halbwegs normalen Autorennen geworden war, fuhr er davon.
Max war tatsächlich wieder da.

Ferrari fällt zurück – und kommt zurück
Hinter der Spitze entwickelte sich unterdessen ein Rennen, das kaum weniger bemerkenswert war. Hamilton und Leclerc hatten mit ihrer Slick-Wahl beim Start zunächst alles verloren. Hamilton fiel bis weit hinter die Punkteränge zurück, Leclerc musste zusätzlich einen beschädigten Frontflügel wechseln, nachdem es zu einer Berührung mit Nico Hülkenberg gekommen war.
Doch beide Ferrari waren schnell.
Hamilton begann eine bemerkenswerte Aufholjagd. Hülkenberg, Lindblad, Ocon, Lawson – einer nach dem anderen verschwand hinter dem Ferrari. Aus einem Rennen, das nach wenigen Runden praktisch ruiniert schien, wurde plötzlich wieder ein Kampf um ein Spitzenresultat. Leclerc arbeitete sich ebenfalls nach vorne.
McLaren dagegen kam nie richtig in Fahrt. Die Entscheidung, mit Medium-Reifen zu starten, hatte Norris und Piastri weit zurückgeworfen. Piastri fand später etwas Rhythmus, Norris blieb lange außerhalb der Punkte. Nach seinem Pech in Madrid und dem anschließenden Ausfall in Baku war auch Sepang kein Wochenende, an dem der Weltmeister seine Saison noch einmal nachhaltig in eine andere Richtung lenken konnte.
An der Spitze kamen die geplanten letzten Boxenstopps. Russell stoppte in Runde 33, Verstappen und Antonelli folgten eine Runde später. Alle drei bekamen Soft-Reifen. Russell wunderte sich am Funk, warum Mercedes so früh reagiert hatte, wenn er tatsächlich bis zum Ende durchfahren sollte. Verstappen blieb vorne, Antonelli dahinter, Russell auf drei.
Es sah nun so aus, als würde das Rennen in genau dieser Reihenfolge zu Ende gehen.
Wer Sepang und diesen Sonntag bis dahin beobachtet hatte, hätte wissen müssen, dass dies ein ziemlich optimistischer Gedanke war.
Noch einmal alles auf null
In Runde 43 blieb Alexander Albon mit seinem Williams auf der Strecke stehen.
Virtual Safety Car.
Verstappen hatte zu diesem Zeitpunkt rund zwölf Sekunden Vorsprung und nutzte die Gelegenheit zu einem weiteren Reifenwechsel. Auch Hamilton kam herein. Verstappen fiel dadurch kurzzeitig hinter Antonelli zurück. Eine Runde später reagierte Mercedes und holte sowohl Antonelli als auch Russell. Damit war Verstappen wieder vorne.
Dann wurde aus dem Virtual Safety Car ein richtiges Safety Car. Und plötzlich war sein gesamter Vorsprung weg. Wieder einmal.
Verstappen hatte sich nach dem chaotischen Start nach vorne gearbeitet, Antonelli überholt, einen deutlichen Abstand aufgebaut – und nun standen die Konkurrenten wieder unmittelbar hinter ihm. Für die letzten Runden war alles angerichtet: Verstappen gegen Antonelli, Russell dahinter, Hadjar, Hamilton, Leclerc. Ein Sprint bis ins Ziel.
Doch noch bevor dieser Kampf beginnen konnte, kam die für die Weltmeisterschaft vielleicht folgenreichste Szene des Nachmittags.
George Russell blieb stehen.
Der Mercedes rollte auf Start und Ziel aus. Antriebsschaden. Fünf Runden vor Schluss. Russell hatte auf Rang drei gelegen und war auf dem Weg zu einem weiteren Podium nach seinem Sieg in Baku. Nun kletterte er aus dem Auto und konnte nur noch den Kopf schütteln.
Für Russell war das ein brutaler Moment. In Baku hatte er Antonellis WM-Vorsprung gerade von 81 auf 66 Punkte reduziert und zum ersten Mal seit Wochen wieder den Eindruck vermittelt, tatsächlich an seine Titelchance zu glauben. Eine Woche später fährt er ein starkes Rennen – und verliert durch einen technischen Defekt alles. Antonelli dagegen stand auf Platz zwei und bekam plötzlich 18 Punkte praktisch garantiert.
Die Weltmeisterschaft hatte sich innerhalb weniger Sekunden wieder deutlich in Richtung des Italieners verschoben.
Norris verliert sogar hinter dem Safety Car die Kontrolle
Und selbst damit war die Absurdität dieses Rennens noch nicht vollständig ausgeschöpft. Während das Feld hinter dem Safety Car zusammenrückte, verbremste sich Lando Norris vor Kurve eins beinahe in das Heck seines eigenen Teamkollegen Piastri. Der McLaren schoss in die Auslaufzone, rutschte durch den Kies und kehrte nur noch auf Rang elf zurück.
Hinter dem Safety Car.
Es passte zu Norris‘ Nachmittag. Der Weltmeister war nie wirklich in diesem Grand Prix angekommen. Immerhin kämpfte er sich nach dem Restart noch an Arvid Lindblad vorbei und rettete Rang neun sowie zwei WM-Punkte. Piastri brachte den anderen McLaren als Sechster ins Ziel. Für ein Team, das in Sepang eigentlich mit Ambitionen auf ein Spitzenresultat gekommen war, war das wenig.
Vorne hatte Verstappen beim letzten Restart dagegen alles im Griff. Kein Durchdrehen, keine offene Tür für Antonelli, keine unnötige Dramatik. Der Red Bull setzte sich sofort einige Wagenlängen ab.
Hamilton nutzte die letzten Runden zu einem spektakulären Finale seiner Aufholjagd. Zunächst schnappte er sich Hadjar und übernahm Rang drei. Eine Runde später ging auch Leclerc am Red Bull vorbei. Aus den Positionen tief im Feld nach der verfehlten Reifenentscheidung beim Start waren für Ferrari plötzlich die Plätze drei und vier geworden.
Hadjar wurde Fünfter – trotzdem ein starkes Resultat nach seiner Rückversetzung in der Startaufstellung. Piastri folgte auf sechs vor Lawson und Fernando Alonso. Norris wurde Neunter, Lindblad holte den letzten Punkt.
Verstappen gewinnt – und zwar verdient
Nach 55 Runden überquerte Max Verstappen die Ziellinie.
2,307 Sekunden vor Kimi Antonelli. 4,919 Sekunden vor Lewis Hamilton.
Dahinter Leclerc, Hadjar, Piastri, Lawson, Alonso, Norris und Lindblad. Verstappen fuhr in der letzten Runde mit 1:38,220 Minuten zusätzlich die schnellste Rennrunde.
Es war sein erster Sieg der Saison 2026, sein 72. Grand-Prix-Erfolg – und ein historischer für Red Bull: der erste Sieg mit der neuen Red-Bull-Ford-Powertrains-Antriebseinheit. Neun Jahre nach seinem Erfolg beim letzten Formel-1-Gastspiel in Sepang 2017 gewinnt Verstappen also auch bei der Rückkehr der Königsklasse nach Malaysia.
Vor allem aber war es kein geschenkter Sieg. Ja, dieses Rennen war chaotisch. Ja, Safety Cars und wechselnde Bedingungen spielten eine gewaltige Rolle. Aber Verstappen musste diesen Grand Prix mehrfach neu gewinnen. Zunächst verlor er beim Start zwei Positionen. Dann holte er Russell auf der Strecke. Nach dem ersten Safety Car musste er Antonelli erneut angreifen und überholte ihn außen in Kurve eins. Danach baute er einen deutlichen Vorsprung auf. Das späte Safety Car nahm ihm diesen wieder weg. Beim letzten Restart ließ er trotzdem nichts mehr anbrennen.
Das ist der Unterschied zwischen einem Fahrer, der von Chaos profitiert, und einem Fahrer, der Chaos beherrscht.
Verstappen verwies nachher auf die Entwicklung von Red Bull. Nach dem schwierigen Jahr sei dieser Sieg besonders schön; das Team habe Schritt für Schritt Fortschritte gemacht. Gerade der Beginn sei mit den Leistungsproblemen und den wechselnden Bedingungen hektisch gewesen, danach habe man mit der Intermediate-Entscheidung richtig gelegen und sich wieder nach vorne gearbeitet. Von dort an kontrollierte Verstappen das Rennen.
Antonelli gewinnt, obwohl er verliert
Der zweite große Gewinner dieses Nachmittags wurde Zweiter. Kimi Antonelli hätte Sepang gerne gewonnen. Er führte nach dem Start, verlor später aber auf der Strecke gegen Verstappen und konnte dessen Tempo anschließend nicht mitgehen. Rein sportlich musste er sich an diesem Sonntag geschlagen geben.
Für seine Weltmeisterschaft hätte das Ergebnis trotzdem kaum besser laufen können. Vor Sepang betrug sein Vorsprung auf Russell 66 Punkte. Nun sind es 84. Antonelli nimmt 18 Punkte mit, Russell keinen einzigen. Sieben Rennen vor Schluss wird die Aufgabe für den Briten damit gewaltig.
Und das ist vielleicht das Bitterste für Russell. Nach Baku hatte er wieder Blut geleckt. Pole, Sieg, 15 Punkte auf Antonelli aufgeholt. Sepang sollte der nächste Schritt werden. Stattdessen steht nach diesem Wochenende ein Nettoverlust von 18 Punkten.
Antonelli wiederum zeigt jene Eigenschaft, die ihm inzwischen fast mehr hilft als seine acht Saisonsiege: Selbst wenn er nicht gewinnt, sammelt er groß. Zweiter Platz, 18 Punkte, der direkte WM-Rivale draußen. Man muss nicht jeden Grand Prix gewinnen, um Weltmeister zu werden. Man muss vor allem jene Sonntage nutzen, an denen der Gegner nichts bekommt.
Und Ferrari?
Hamiltons dritter Platz gehört ebenfalls zu den Geschichten dieses Rennens. Von Startplatz zwei hätte man zunächst mehr erwarten dürfen. Doch Ferraris Entscheidung für Slicks war unter den Bedingungen des zweiten Starts schlicht falsch. Hamilton fiel weit zurück und musste sich anschließend durch das Feld arbeiten.
Dass daraus noch ein Podium wurde, war eine starke Leistung.
Leclercs vierter Platz ist aus ähnlichen Gründen bemerkenswert. Frontflügelschaden, früher Stopp, zeitweise tief im Feld – und am Ende zwölf Punkte. Ferrari machte aus einem taktisch misslungenen Beginn noch ein sehr gutes Ergebnis. Dass Hamilton und Leclerc in der Schlussphase Hadjar nacheinander überholten, war der sichtbare Lohn dafür.
McLaren erlebte dagegen einen Nachmittag zum Vergessen. Piastri rettete Platz sechs, Norris Rang neun. Der Medium-Poker beim Start funktionierte ebenso wenig wie Ferraris Slick-Wette, doch Ferrari hatte anschließend die Geschwindigkeit, um sich zurückzukämpfen. McLaren nicht.
Die Formel 1 hat Max wieder
Und damit bleibt die wichtigste sportliche Erkenntnis dieses eigenartigen Grand Prix. Max Verstappen ist wieder ein Sieger. Nicht, weil Red Bull plötzlich wieder so überlegen wäre wie in seinen dominantesten Jahren. Gerade das macht diesen Erfolg interessant. In der ersten Saisonhälfte fehlte Verstappen oft das Material, um Mercedes ernsthaft herauszufordern. Nun zeichnet sich seit mehreren Wochen eine klare Entwicklung ab: Zweiter in Madrid. Zweiter in Baku, dort nur 0,196 Sekunden hinter Russell. Pole und Sieg in Sepang.
Das ist kein Zufall mehr.
Für die Weltmeisterschaft dürfte Verstappens Wiederauferstehung zu spät kommen. Aber für den Kampf Antonelli gegen Russell kann sie entscheidend werden. Verstappen nimmt Siege und Punkte weg. Und derzeit wirkt er eher wie ein Mann, der noch mehrere Rennen gewinnen könnte, als wie einer, der froh sein muss, endlich einmal wieder ganz oben gestanden zu haben.
Als Nächstes kommt Singapur. Ein völlig anderer Kurs, ein völlig anderes Anforderungsprofil. Dort wird sich zeigen, wie universell Red Bulls Fortschritte tatsächlich sind.
Sepang aber gehörte ihm.
Ein Grand Prix, der in Bahrain hätte stattfinden sollen, wurde in Malaysia gefahren. Ein Wolkenbruch verschob den Start. Die erste Startprozedur brach wegen technischer Probleme zusammen. Beim zweiten Versuch waren drei verschiedene Reifenkonzepte gleichzeitig im Einsatz. Verstappen verlor die Führung beim Start, holte sie zurück, verlor seinen Vorsprung durch Neutralisierungen und musste ihn wieder aufbauen. Russell schied fünf Runden vor Schluss aus. Norris fuhr hinter dem Safety Car durchs Kiesbett. Hamilton kam nach einem Absturz im Feld noch aufs Podium.
Und nach all dem stand am Ende ausgerechnet wieder jener Mann ganz oben, den die Formel 1 dort jahrelang beinahe als selbstverständlich erlebt hatte.
Max Verstappen gewinnt wieder. Und nach diesem Sonntag in Sepang wirkt das weniger wie eine Ausnahme als wie der Beginn einer neuen Phase dieser Saison.
