Der Freitag in Spielberg: Ein nicht zufriedener Max Verstappen vor dem Heim-GP von Red Bull, die beiden Mercedes überlegen, Hamilton nicht in Podiumsnähe. Unser Report von der Strecke in der Steiermark.
Matthias Greuling
Kimi Antonelli wirkt in Spielberg nicht wie jemand, der gerade erst lernt, wie Formel 1 funktioniert. Der 19-Jährige kommt als WM-Führender zum Österreich-GP, hat Lewis Hamilton im Nacken und sagt Sätze, die bei einem Teenager normalerweise nach Mutprobe klingen würden. Bei ihm klingen sie eher wie eine nüchterne Arbeitsanweisung: Er sei bereit zu kämpfen, bereit für alles, stärker geworden. „Ich bin ein anderer Mensch geworden“, sagte er vor dem Wochenende. Nach dem Freitag am Red Bull Ring darf man ergänzen: offenbar auch ein ziemlich schneller.

Antonelli fuhr in beiden Trainings Bestzeit. In FP1 setzte er sich mit 1:07.796 Minuten an die Spitze, nur 40 Tausendstel vor George Russell. Mercedes begann den Tag also mit einer kleinen internen Machtdemonstration: der Wunderknabe vorne, der Teamkollege direkt dahinter, der Rest erst einmal sortierend. Oscar Piastri war im McLaren Dritter, Max Verstappen trotz Problemen Vierter, Lewis Hamilton im Ferrari Fünfter.

Der Freitag erzählte aber nicht nur von Rundenzeiten, sondern auch von Garagenarbeit. Verstappens Red Bull zickte früh, der Wagen fiel in den Anti-Stall-Modus, später klagte der Niederländer über wenig Gefühl und heiße Reifen. Isack Hadjar kam wegen Problemen ebenfalls spät ins Fahren. McLaren verlor mit Lando Norris Zeit durch ein Hydraulikleck, und am Ende sorgte Sergio Perez im Cadillac mit einem Defekt für die rote Flagge. Spielberg war da schon schön heiß, die Strecke um die 50 Grad, die Laune mancher Ingenieure vermutlich ähnlich.
Am Nachmittag wurde das Bild klarer. Antonelli legte in FP2 eine 1:07.014 hin und distanzierte Piastri um 0,237 Sekunden. Norris wurde Dritter, Verstappen Vierter, Hamilton erneut Fünfter. Das ist keine Garantie für den Sonntag, aber ein recht deutlicher Fingerzeig: Mercedes ist auf dem Red Bull Ring derzeit am besten sortiert. Antonelli hat Tempo auf eine Runde, Russell war zumindest am Vormittag sehr nah dran, und das Auto wirkt auf dieser kurzen, nervösen Strecke stabiler als die Konkurrenz.

McLaren sieht nach dem ersten Verfolger aus. Piastri war in beiden Trainings vorne dabei, Norris nach dem holprigen FP1 in FP2 sofort wieder präsent. Das Auto scheint auf den schnellen Richtungswechseln und den kurzen Beschleunigungszonen gut zu funktionieren. Ganz nach vorne fehlt noch etwas, aber McLaren hat in Spielberg 2025 gezeigt, dass diese Strecke dem Team liegt. Wer am Sonntag auf ein Ärgernis für Mercedes tippt, sollte also nicht nur auf Red Bull schauen.
Bei Ferrari ist die Lage komplizierter. Hamilton kommt mit dem Glanz seines Barcelona-Siegs nach Österreich, und Toto Wolffs alter Satz hängt weiter im Fahrerlager: Wenn Lewis Blut leckt, dann greift er an. Der Brite wirkt tatsächlich wacher, schärfer, angekommen. Nur spielt der Ferrari am Red Bull Ring bisher nicht ganz mit. Hamiltons fünfte Plätze sind ordentlich, aber nicht bedrohlich. Charles Leclerc sprach nach dem Freitag von einem schwierigen Auto, zu wenig Tempo auf den Geraden und Problemen in den Kurven. Das klingt nicht nach Angriffslust, sondern nach langer Nachtschicht.

Und Red Bull? Heimrennen, volle Hänge, orange Tribünen, der eigene Name über der Strecke – und trotzdem keine Favoritenrolle. Verstappen war zweimal Vierter. Nicht schlecht, aber in Spielberg wird von Red Bull traditionell etwas anderes erwartet als solide Schadensbegrenzung. Die Updates sind da, die Probleme ebenfalls. Der Red Bull Ring ist kurz, aber er versteckt nichts: drei harte Bremszonen, lange Vollgaspassagen, dann der schnelle Abstieg durch die Kurven in Richtung Ziel. Wer hier keine Balance findet, hat alle 70 Sekunden die nächste Gelegenheit, sich darüber zu ärgern.
Für den Sonntag ergibt sich daraus eine hübsch gespannte Ausgangslage. Antonelli fährt, als müsse er niemandem mehr etwas beweisen. Hamilton lauert mit Ferrari-Erfahrung und neuem Selbstvertrauen. McLaren ist gefährlich nah. Verstappen braucht vor eigenem Publikum ein Rennen, das nicht wieder mit „wir müssen analysieren“ beginnt.
Spielberg kann schnell chaotisch werden: Track Limits, Verkehr im Qualifying, Strategie bei Hitze, Reifen am Limit. Die Veranstalter reagieren bereits auf die Temperaturen, im Fahrerlager wird geschwitzt, auf den Tribünen sowieso. ServusTV zeigt das Rennen live – und wer am Sonntag einschaltet, bekommt kein gemütliches Alpenpanorama mit Motorengeräusch. Eher einen Hitzetest mit sehr viel WM-Musik.
Die Tendenz nach Freitag ist klar: Mercedes führt, McLaren drückt, Ferrari sucht, Red Bull hofft. Für Spielberg ist das keine schlechte Mischung. Für Red Bull ist es allerdings eine unbequeme.

