Unglaublich starkes Finish des 19-jährigen WM-Favoriten: Kimi Antonelli schlägt in letzter Minute Max Verstappen – unsere Zusammenfassung der freien Trainings und des Qualifying.
Von Matthias Greuling
Der Monaco-Grand-Prix 2026 hat bislang ein recht klares, aber nicht völlig geradliniges Bild ergeben. Am Freitag war Ferrari das bestimmende Team. Charles Leclerc und Lewis Hamilton lagen in beiden Trainings vorn, die Balance des Autos schien auf dem engen Stadtkurs früh zu passen. Am Samstag verschob sich das Bild etwas: Mercedes kam stärker in Schwung, Kimi Antonelli fuhr im dritten Training Bestzeit und holte später auch die Poleposition. Neben ihm startet Max Verstappen, dahinter folgen Hamilton und Leclerc.

Was bis dahin geschah hier in unserer chronologischen Aufarbeitung:
1. Freies Training: Leclerc beginnt vor Hamilton
Das erste freie Training ging an Charles Leclerc. Der Ferrari-Pilot fuhr auf seiner Heimstrecke eine Zeit von 1:13.978 Minuten und lag damit vor seinem Teamkollegen Lewis Hamilton, der 0,226 Sekunden Rückstand hatte. Max Verstappen wurde Dritter, Kimi Antonelli Vierter, George Russell Fünfter.
Ferrari fand also früh gut in das Wochenende. Leclerc war schnell unterwegs, auch wenn seine Session nicht ganz ohne kleine Fehler blieb. Er verbremste sich unter anderem in Mirabeau und musste einmal den Weg über die Schikane nehmen. Das änderte aber nichts daran, dass der Ferrari auf den ersten Blick gut zum Kurs passte. Hamilton bestätigte diesen Eindruck mit Platz zwei.
Hinter den ersten Fünf folgten Lando Norris, Nico Hülkenberg, Oscar Piastri, Gabriel Bortoleto und Pierre Gasly. McLaren lag damit zunächst nicht ganz auf dem Niveau von Ferrari, Red Bull und Mercedes. Norris wurde Sechster, Piastri Achter.
Unterbrochen wurde das Training durch Zwischenfälle. Isack Hadjar schlug mit seinem Red Bull am Ausgang der Swimming-Pool-Passage ein und konnte nicht weiterfahren. Fernando Alonso beschädigte seinen Aston Martin nach dem Tunnel in Richtung Hafenschikane, schaffte es aber zurück an die Box. Beide Situationen führten zu roten Flaggen. Dazu kamen einige Ausritte, was in Monaco zwar nicht ungewöhnlich ist, aber zeigt, wie vorsichtig sich die Fahrer an die Grenze herantasten mussten.
Die Reihenfolge der Top 10 im ersten Training lautete: Leclerc, Hamilton, Verstappen, Antonelli, Russell, Norris, Hülkenberg, Piastri, Bortoleto und Gasly.

2. Freies Training: Hamilton macht Ferraris Freitag komplett
Im zweiten freien Training blieb Ferrari vorn, diesmal mit Hamilton an der Spitze. Er fuhr auf Soft-Reifen 1:13.026 Minuten. Leclerc lag 0,111 Sekunden dahinter, Verstappen folgte als Dritter mit 0,168 Sekunden Rückstand. Russell und Antonelli belegten die Plätze vier und fünf.
Ferrari bestätigte damit die Form aus dem ersten Training. Hamilton und Leclerc waren sowohl auf Mediums als auch später auf Softs konkurrenzfähig. Verstappen kam näher heran, konnte die Ferrari-Zeiten aber nicht unterbieten.
Auch in dieser Session blieb nicht alles sauber. Hamilton hatte in der Swimming-Pool-Sektion einen Moment, blieb aber aus der Mauer. Verstappen setzte zwischenzeitlich mit 1:13.467 Minuten die Bestzeit, bevor Hamilton und Leclerc noch schneller fuhren.
Für McLaren wurde das zweite Training schwieriger. Lando Norris blieb an der Nouvelle Chicane stehen und verlor dadurch wertvolle Fahrzeit. Oscar Piastri konnte weiterfahren und wurde Siebter. Für ein Team, das in Monaco im Vorjahr gewonnen hatte, war das kein idealer Freitag.
Kurz vor Schluss gab es eine rote Flagge, nachdem Sergio Perez mit Rauchentwicklung im Cockpit stoppen musste. Franco Colapinto hatte zuvor in Sainte Devote die Barrieren berührt. Hadjar konnte nach seinem Unfall im ersten Training wieder fahren und wurde Sechster.
Nach dem Freitag war Ferrari damit klar das auffälligste Team. Leclerc und Hamilton hatten beide Trainings an der Spitze beendet. Mercedes blieb in Reichweite, Verstappen ebenfalls, aber zunächst sah Ferrari auf diesem Kurs am stabilsten aus.
3. Freies Training: Antonelli setzt die Samstagsbestzeit
Am Samstagmittag änderte sich die Lage. Kimi Antonelli fuhr im dritten freien Training mit 1:12.720 Minuten die schnellste Zeit des Wochenendes bis dahin. Leclerc wurde Zweiter, 0,327 Sekunden zurück. Hamilton folgte knapp dahinter auf Platz drei, Russell wurde Vierter und Verstappen Fünfter.
Damit meldete sich Mercedes deutlicher zurück. Antonelli hatte am Freitag noch nicht ganz zufrieden gewirkt, fand im dritten Training aber offenbar mehr Vertrauen ins Auto. Gerade in Monaco ist das entscheidend, weil eine schnelle Runde kaum möglich ist, wenn der Fahrer nicht genau spürt, wie weit er das Auto an die Leitplanken bringen kann.
Ferrari blieb weiterhin konkurrenzfähig. Leclerc und Hamilton lagen auf den Plätzen zwei und drei, auch wenn Leclerc später von Bremsproblemen berichtete. McLaren arbeitete über Nacht an Norris’ Auto, nachdem er im zweiten Training stehen geblieben war. Norris kam wieder auf die Strecke und wurde Neunter.
Auch das dritte Training wurde unterbrochen. Oliver Bearman schlug in Massenet ein und beschädigte seinen Haas stark. Valtteri Bottas meldete außerdem Bremsrauch und musste zurück an die Box.
Die Top 5 in FP3 lauteten: Antonelli, Leclerc, Hamilton, Russell und Verstappen. Vor dem Qualifying war damit nicht mehr ganz so klar, ob Ferrari seine Freitagsform auch in die entscheidende Stunde mitnehmen würde.
Qualifying: Antonelli holt die Pole
Im Qualifying wurde schnell deutlich, wie eng das Feld auf einer Runde beieinanderlag. In Q1 mussten die Fahrer wie üblich mit Verkehr und dem richtigen Zeitpunkt für ihre schnellen Runden umgehen. Oliver Bearman schied aus, nachdem sein Samstag bereits im dritten Training schwierig verlaufen war. Nico Hülkenberg kam dagegen stark durch Q1 und lag dort zeitweise weit vorn.
In Q2 zog Verstappen das Tempo an. Auch Hadjar zeigte eine gute Leistung und schaffte es in die Nähe der Spitze. Ferrari war weiterhin dabei, aber nicht mehr so klar überlegen wie am Freitag. Leclerc und Hamilton kamen weiter, mussten dafür aber arbeiten. Ausgeschieden sind unter anderem Alexander Albon, Carlos Sainz, Nico Hülkenberg, Franco Colapinto, Arvid Lindblad und Gabriel Bortoleto.
Für Q3 blieben Antonelli, Verstappen, Hamilton, Leclerc, Hadjar, Russell, Piastri, Norris, Gasly und Lawson übrig. Die entscheidende Phase entwickelte sich eng, aber ohne große Überraschung bei den Namen ganz vorn. Mercedes, Red Bull und Ferrari hatten alle die Chance auf die Pole.
Hamilton legte eine starke Runde hin und lag zwischenzeitlich vorn. Verstappen war ebenfalls sehr schnell. Leclerc hatte noch eine Chance, beschädigte aber bei seinem letzten Versuch die Aufhängung nach einem Mauerkontakt. Damit war seine Jagd auf die Bestzeit beendet.
Antonelli nutzte seine Runde am besten und holte die Poleposition. Verstappen wurde Zweiter, nur 0,043 Sekundenzurück. Hamilton landete auf Platz drei, Leclerc auf Platz vier. Dahinter folgten Hadjar, Russell, Piastri, Norris, Gasly und Lawson.
Zwischenstand vor dem Rennen
Bis Freitagabend sah Ferrari wie das Team aus, das es zu schlagen gilt. Leclerc und Hamilton waren in beiden Trainings vorne, das Auto wirkte auf dem Stadtkurs schnell und berechenbar. Am Samstag kam Mercedes besser in Fahrt. Antonelli setzte erst die Bestzeit im dritten Training und war dann auch im Qualifying vorne.
Ferrari steht trotzdem ordentlich da. Hamilton startet als Dritter, Leclerc als Vierter. Für Leclerc ist das nach dem starken Freitag und der guten Pace im Training wahrscheinlich nicht das Ergebnis, das er sich erhofft hatte. Sein Fehler in Q3 kostete ihn die letzte Chance auf die Pole. Hamilton hielt Ferrari mit Platz drei in der Spitzengruppe.
Verstappen startet aus der ersten Reihe und hat damit eine sehr gute Ausgangsposition. Hadjar zeigte nach seinem Unfall im ersten Training eine starke Reaktion und wurde Fünfter. McLaren blieb mit Piastri auf sieben und Norris auf acht hinter den Erwartungen, wobei Norris durch den Ausfall im zweiten Training Trainingszeit verloren hatte.
Vor dem Rennen ergibt sich damit eine interessante Ausgangslage: Antonelli startet vorn, Verstappen direkt daneben, dahinter Hamilton und Leclerc. Ferrari hatte über weite Teile des Wochenendes die beste Trainingsform, aber im Qualifying war Mercedes im entscheidenden Moment vorn.
